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Bauarbeiten im Hölzchen

Am heutigen Montagvormittag wurde am Stendaler Hölzchen der nächste Meilenstein in Sachen Jahn-Denkmal erreicht. Nicht nur, dass eine neue Zeitkapsel eingelegt wurde, per Kran schwebte auch der wichtigste Stein ein.

Unter der Beobachtung der regionalen Presse wurde heute im Hölzchen der erste Abschnitt der Restautrierung/Umsetzung des Jahn-Denkmals beendet.

Horst Paulus und Jörg Hosang legten die neue Zeitkapsel ein.

Die neue Zeitkapsel aus Kupferrohr, die hoffentlich ihren Inhalt vollständig bewahren wird, wurde vom Dachdeckermeister Thoralf Meier aus Hassel, der sich bei Lok auch als Jugendtrainer engagiert, zur Verfügung gestellt und verlötet. Der Inhalt dieser neuen Zeitkapsel enthält Kopien des Inhalts der alten Zeitkapsel von 1911, ein Exemplar der Abhandlung über die Geschichte des Stendaler Jahn-Denkmals, drei Broschüren über die Hansestadt Stendal, ein Button der Aktion „Rettet das Jahn-Denkmal", ein Button mit Abbildung vom „Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn, ein Button „850 Jahre Hansestadt Stendal" und jeweils ein Exemplar der Tageszeitungen „Stendaler Volksstimme" und „Altmark-Zeitung".

 

Der Jahn-Gedenkstein, der am 20. August 1911 eingeweiht wurde, stand am östlichen Ende des heutigen Platz 2, nur rund 250 Meter Luftlinie entfernt. Der originale Standort wurde vom MTV Stendal damals folgerichtig am Vereinsplatz ausgewählt. Dieser heute nur „Platz 2" bezeichnete Sportplatz ist nach bisherigen Erkenntnissen der älteste noch existierende Sportplatz in Sachsen-Anhalt, der als solcher noch genutzt wird. Auch der bekannte Sporthistoriker, Dr. Michael Thomas, von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, mit dem Jörg Hosang in Kontakt stand, hat bisher nichts Gegenteiliges gefunden. Seit vielen Jahrzehnten war aber der Jahn-Gedenkstein für die Bevölkerung nicht mehr zugänglich und einsehbar. Deshalb wusste fast niemand mehr, dass dort ein Denkmal steht und was es damit überhaupt auf sich hat. Der alte Standort war daher ungeeignet und für solch ein wichtiges historisches Denkmal der Hansestadt Stendal unwürdig. Daher musste ein neuer Standort bestimmt werden. Mit dem neuen Standort, hier im Eingangsbereich des Stadions, wird auch der Aspekt der Sicherheit soweit wie möglich Rechnung getragen. Am dann restaurierten und neu aufgestellten Jahn-Denkmal wird eine Erinnerungstafel auf die Geschichte und den originalen Standort des Denkmals hinweisen. Angefertigt wird die Tafel, die aus einer 10 mm starken Acrylglasplatte besteht, nach der von mir erstellten Vorlage vom Werbestudio360 (ehemals Stempel-Rusch) aus Stendal.

 

Am 21. September diesen Jahres begann die Firma Naturstein Gehr GmbH aus Tangermünde mit dem Abbau des Jahn-Denkmals. Dabei wurde nach dem Anheben des großen Findlings, der früher das Jahn-Relief trug, eine Zeitkapsel aus dem Jahr 1911 gefunden. Die Zeitkapsel bestand aus einem Glas mit Blechdeckel. Sie befand sich hinter der kleinen Betonplatte an der die Votivtafel angebracht war. Leider hatte die Zeitkapsel die über 100 Jahre nicht überstanden. Die Zeitkapsel aus Glas, die in dem Beton eingegossen wurde, war durch Druck und Witterungseinflüsse zerstört. Der Inhalt, der aus zwei Schriftstücken bestand, war vollständig durchnässt und nur noch ein nasser Klumpen Papier. Diese für die Stendaler Sportgeschichtsforschung und die Geschichte des Jahn-Denkmals wichtigen Papiere wurden vorsichtig geborgen und von der Buchrestaurierung Leipzig GmbH inzwischen restauriert.

Beide Schriftstücke konnten durch die Nässeeinwirkung über Jahrzehnte aber nicht vollständig gerettet werden. Der Inhalt der Zeitkapsel von 1911 besteht aus einer handschriftlichen Aufzeichnung über den Aufbau des Jahn-Denkmals und einer Jubiläumsfestschrift zum 50jährigen Bestehen des Männer-Turn-Vereins Stendal von 1861 mit einem geschichtlichen Abriss über die Geschichte des Vereins. Von der handschriftlichen Aufzeichnung haben nur Fragmente die über 100 Jahre überstanden. Aus den einzelnen Textstücken konnte kein zusammenhängender Wortlaut mehr ermittelt werden. Nur einzelne Informationen und Namen von beteiligten Personen konnten entziffert werden. Die kleine Jubiläumsfestschrift zum 50jährigen Bestehen des Männer-Turn-Vereins Stendal umfasst 20 Seiten und enthält einen geschichtlichen Überblick über die bis dahin 50jährige Geschichte des Turnvereins. Leider sind auch einige wichtige Informationen durch die Nässe verloren gegangen.

 

Mit dem Aufsetzen des großen Findlings fand heute der erste Restaurierungsabschnitt des Jahn-Denkmals nun seinen Abschluss. Einige Arbeiten werden noch folgen. Die Firma Naturstein Gehr GmbH fertigt noch die neue Votivtafel mit dem originalen Wortlaut, die große Steintafel mit dem „Turner-Kreuz" und die vier Granitpfeiler, die wie im Original durch eine Panzerkette verbunden sind, an. All diese Teile sind im Laufe der Geschichte des Denkmals verloren gegangen. Das vom Stendaler Designer Rüdiger Laleike neu geschaffene Jahn-Relief soll erst kurz vor der Einweihung, wie im Original am großen Findling, angebracht werden. Das Originalrelief fiel der Kriegsführung im 2. Weltkrieg zum Opfer, wurde am 08.09.1943 abgebaut und danach eingeschmolzen. Dieses Schicksal ereilte an diesem Septembertag im Jahr 1943 auch andere Stendaler Denkmäler oder Teilen davon. Die Mitarbeiter des Bauhofs werden die Einfassung des Denkmals vornehmen. Hier ist vorgesehen, das Denkmal mit Granitplatten einzufassen und Granitpflaster vor dem Denkmal zu verlegen. Außerdem ist nach Fertigstellung der Restaurierung eine entsprechende Begrünung des Denkmals vorgesehen.

Es ist also zum Zeitpunkt des Verlegens der neuen Zeitkapsel noch einiges zu tun. Bis zur offiziellen Einweihung des Jahn-Denkmals ist aber noch Zeit.

 

Der Tag der Einweihung, des dann fertig restaurierten Jahn-Denkmals, wurde auf den 6. Mai 2018 festgelegt. An diesem Sonntag empfängt der 1. FC Lok Stendal die BSG Wismut Gera zum Heimspiel.

Nach der Neueinweihung kann das erste Stendaler Sportdenkmal dann wieder in seiner würdevollen Pracht im weitestgehend originalen Zustand an einem ihm gebührenden Standort von jedermann wahrgenommen, betrachtet und gewürdigt werden. "Wir wollen hoffen, dass das restaurierte Jahn-Denkmal dann mindestens genauso lange steht wie das alte, aber dabei alle Bestandteile des Denkmals erhalten bleiben", so Jörg Hosang