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Festung hielt stand

Rückstand, Spiel gedreht, eigenen Elfmeter verballert, Strafstoß gegen sich gehalten, tolles Wetter und wieder rund 600 Zuschauer – das Oberligaspiel zwischen dem 1. FC Lok Stendal und dem SV SCHOTT Jena am Sonntag (2:1) hatte so ziemlich alles zu bieten, was den Fußballsport aus- und vor allem spannend macht. Nicht zu vergessen bleibt der Oberliga-Aufsteiger auch nach dem 8. Spieltag ungeschlagen.

Ungewohnte Seite, kein Problem für Flügelflitzer Niclas Buschke. Erstmals auf rechts aufgeboten, ersprintete einen langen Ball, nahm Fahrt auf, tanzte einen Gegenspieler aus und vollendete überlegt zum 1:1.

Klar ist zwar auch, dass beide Teams am Sonntag alles andere als einen fußballerischen Leckerbissen boten, die Partie lebte einzig und allein von der Spannung. Doch von Beginn an. „Die ersten 20 bis 25 Minuten haben wir das nicht gut gemacht. Jena hingegen hat genau das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten", beschrieb Trainer Sven Körner die Anfangsphase, in der sich die Einheimischen den Schneid abkaufen ließen. Die Glasmacher übten enormen Druck auf die neuformierte Defensivreihe der Stendaler aus und pressten früh. Folgerichtig fiel auch schnell das 0:1 (18.). Allerdings resultierte dieses aus einem Standard.

Wie schon schon so oft in dieser Saison ließ sich die junge und von zahlreichen Verletzungen geplagte Lok-Elf aber nicht verunsichern und stellte einmal mehr ihre Nehmerqualitäten unter Beweis. Nun waren es mehr und mehr die Hausherren, die angepeitscht von der lautstarken Unterstützung der knapp 600 Fans dem Spiel ihren Stempel aufdrückten. Ebenfalls nicht neu für Lok: eine ungeheure Effizienz. Narrte zunächst Buschke nach einem langen Ball mit einem feinen Solo alle Gegner inklusive Torhüter (26.), traf Christos Iereidis per Sonntagsschuss zum 2:1 (34.).

In der Folge allerdings verließ die Stendaler das Glück zumindest in Sachen Chancenverwertung und kam bis zum Abpfiff auch nicht mehr zurück. So hätte Zypriot Iereidis kurz vor der Pause vom Elfmeterpunkt seine gute Leistung krönen und Lok ins sichere Fahrwasser bringen können, doch der Schott-Keeper hielt das Leder fest.

Auch im zweiten Durchgang, als Jena langsam aber sich aufmachen musste und sich riesige Räume für Tempogegenstöße auftaten, war den Eisenbahnern bei zahlreichen Hochkarätern das Glück nicht mehr hold. Hinten hatten sie es aber umso mehr. Nach Foul von Maskenmann Gebauer im eigenen Strafraumbot sich nun auch Jena die Chance vom Punkt. Wie schon zuvor Stendals Iereidis scheiterte Jenas Löser vom Punkt – Giebichenstein hielt sicher.

In der Folge wurde es hektisch, hitzig und krampfig. Kam das Schiedsrichter-Kollektiv im ersten Durchgang noch ohne persönliche Strafen aus, verteilten die Schwarzkittel im zweiten Durchgang sieben Gelbe Karten (4 Lok/ 3 Jena). Da es den Hölzchen-Kickern bis zum Abpfiff nicht gelang, eine der sich bietenden Konterchancen zu verwerten, wurde bis zur Nachspielzeit gezittert...

Als nach 94 intensiven Minuten der Schlusspfiff ertönte, war nicht nur ein mühevoller Arbeitssieg eingefahren und die Festung Hölzchen erfolgreich verteidigt, sondern sogar der dritte Tabellenplatz erobert. „Das ist nicht mehr als eine schöne Momentaufnahme", erklärte Körner auf der anschließenden Pressekonferenz. Angesichts des knüppelharten Programms – erst geht es zum Vierten nach Leipzig und dann kommt der Rangzweite Plauen ins Hölzchen, dürfte aber auch dem Coach erfreuen, dass die Stendaler nun mit 16 Punkten schon die halbe Miete im Sack haben. 30 Punkte, so Körner zu Saisonbeginn, sollten nämlich reichen, um die Klasse zu halten.

Tore: 0:1 Andreas Löser (19.), 1:1 Niclas Buschke (26.), 2:1 Christos Iereidis (34.).

1. FC Lok Stendal: Bryan Giebichenstein - Franz Erdmann (53. Lukas Breda), Philipp Groß, Martin Gebauer, Niclas Buschke, Steven Schubert (83. Vincent Kühn), Juninho (78. Martin Krüger), Benedikt Nellessen, Tim Schaarschmidt, Johannes Mahrhold, Christos Iereidis.