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Obacht beim Schlusslicht

Am morgigen Sonntag um 13.30 Uhr kommt es im Geraer Stadion am Steg zum Aufeinandertreffen zweier Traditionsclubs, die bereits zu Anfangszeiten der DDR-Oberliga die Klingen kreuzten. Diese glorreichen Zeiten sind für beide Team längst Geschichte, nun kommt es in der Oberliga wieder zu einem Wiedersehen. Dabei trifft das momentanige Tabellenschlusslicht BSG Wismut Gera auf den Rangsechsten 1. FC Lok Stendal.

Für Juninho, der sich mit muskulären Problemen herumschlägt, wird es kein Wiedersehen in Gera geben. Dort spielte er eineinhalb Jahre beim 1. FC Gera 03.

Der derzeitige Tabellenplatz der BSG täuscht allerdings ein wenig über das Leistungsvermögen des kommenden Gegners hinweg. Nicht nur, dass die Mannschaft von Trainer Carsten Hänsel als Vorjahres-Vierter von vielen Trainern auch in dieser Saison zu den Favoriten gezählt wurde (darunter Sven Körner), kommen die Thüringer langsam aber sicher immer besser in Form und verstärkten ihren Kader erst vor einer Woche mit Marcel Nolde und Evan Brandon John mit zwei Neuzugängen. Zuletzt ging Gera in Bernburg mit 1:0 in Front, um am Ende nach einem 1:3-Rückstand noch einen Punkt zu erkämpfen. Im Thürigenpokal tankten die Organgen am Dienstag ähnlich wie Lok Selbstvertrauen bei einem unterklassigen Team. Während Stendal in Sangerhausen 4:1 siegte, gewann Gera 5:0 bei Landesklasse-Spitzenreiter Sonneberg 5:0. In den letzten beiden Spielen erzielte Andreas Luck insgesamt 5 Tore. Luck ist es auch, der mit vier Treffern erfolgreichster Torjäger seines Teams ist. Überhaupt scheinen Teams aus Sachsen-Anhalt der BSG zu liegen. Die einzigen beiden Zähler holten die Thüringer nämlich jeweils mit einem torreichen 3:3 gegen Merseburg und eben Bernburg. Auch die Tatsache, dass die BSG erstmals in dieser Saison wieder im heimischen Stadion am Steg spielen darf, dürfte dem Schlusslicht neuen Aufwind geben. Nach der Tribünen-Sperrung vor dem Spiel gegen Rudolstadt hat der NOFV das Stadion vergangene Woche nun unter Auflagen für das Spiel am Sonntag freigegeben.
"Wir müssen unsere Erwartungen an die aktuelle Situation anpassen. Es wäre wichtig, wenn wir in der  Oberliga wieder einmal zu Null spielen könnten. Dies ist uns eine Halbzeit lang in Bernburg sowie gegen Sonneberg im Pokal gelungen. Wir müssen uns Punkt für Punkt hart erarbeiten und da wäre es wichtig, dass wir gegen Stendal nicht verlieren. Lok hat nichts zu verlieren und daher werden unsere Gäste ohne Druck spielen. Wir müssen hart arbeiten, aber die Mannschaft ist bereit", sagte BSG-Coach Carsten Hänsel in der neuen Auflage von WismutFieber, dem Vereinsmagazin.
In den Oberliga-Jahren 1949/50, 1950/51, 1951/52, 1952/53 und 1966/67 trafen beide Vereine  insgesamt  zehnmal  aufeinander. Sechs Siege, ein Unentschieden und  drei Niederlagen  sind  die  Bilanz aus Sicht des 1. FC Lok.
Apropos Lok...nun zu unseren Eisenbahner. In der Liga setzte es zuletzt zwei Niederlagen gegen die Topteams aus Leipzig und Plauen. Von einer Delle im Lack will Trainer Sven Körner trotzdem nichts wissen. "Ja, wir haben zuletzt zweimal verloren. Aber die Leistungen gegen die beiden Staffelfavoriten waren äußerst ordentlich. Gegen Plauen haben wir sogar die beste erste Hälfte der Saison gespielt. Die Jungs haben gekämpft bis zur letzten Minuten und waren auch im Pokalspiel und im Training unter der Woche wieder voll fokussiert." Und damit trifft der Coach den Nagel auf den Kopf. Insbesondere gegen den Tabellenzweiten war man im Hölzchen auf Augenhöhe. Nur ganz, ganz wenige Chancen wurden zugelassen, aber mindestens ebenso viele selbst erarbeitet. Es fehlte einfach das Spielglück, zumal der Favorit die Entscheidung in einem typischen Remis-Spiel schließlich per Standard gelang. Durch die beiden Niederlagen ist Lok zuletzt von Rang drei auf sechs der Tabelle "durchgereicht" worden. Aber auch das ist kein Problem, schließlich steht man mit bislang 16 Punkten voll im Soll. Natürlich wollen aber auch Körner und sein Team wieder ein Erfolgserlebnis feiern. Dies gelang am Dienstag bereits mit dem Achtelfinal-Erfolg im Landespokal. In Gera soll nun ein weiteres Erfolgserlebnis her. Unterschätzen wird Körner die BSG aber nicht: "Gera ist eine Mannschaft, die sich bisher unter Wert geschlagen hat. Luck, Weis und Enkemann sind echte Führungsspieler, die es gilt auszuschalten. Klar ist aber auch, dass wir wieder punkten wollen!"
Fehlt noch der Blick ins Lok-Lazarett. Neben den Langzeitverletzten Moritz Instenberg und und Nils Breda werden auch Marcel Werner (Aufbautraining), Lukas Breda (beruflich) und Juninho (muskuläre Probleme) fehlen. Damit verpasst Stendals Brasilianer eine Rückkehr nach Gera. Dort spielte er nämlich von Sommer 2010 bis zum Einstellen des Spielbetriebes im Februar 2012 beim BSG-Lokalrivalen 1. FC Gera 03. Mannschaftskaptitän Phlipp Groß hat nach der Fußverletzung im Match bei Inter Leipzig noch nicht wieder trainiert, könnte aber eventuell wieder im Kader stehen. Dort könnte wie schon in Sangerhausen, als Maurice Schmidt ein ordentliches Debüt gelang, auch wieder der eine oder andere A-Junior zu finden sein.