DDR-Oberliga 1949-1968

Der Stendaler Fussball-Sport entwickelte sich in der Nachkriegszeit im schnellen Tempo. 1947 ist die SG Nord Sieger des Kreiswettbewerbes Altmark, 1948 wird SG Eintracht Zweiter hinter der SG Salzwedel-Ost. Ebenfalls Zweiter wurde SG Blau-Weiß in der Sachsen-Anhalt-Meisterschaft 1949 nach einem 0:2 im Finale gegen die SG Freiimfelde Halle. Die Finalteilnahme berechtigte zur Teilnahme an der 2. Ostzonen-Fußballmeisterschaft. Die Stendaler kamen bis in das Halbfinale, wo wieder Halle, diesmal mit 3:0, die Oberhand behielt. Als Vizemeister des Landes Sachsen-Anhalt hatte sich Stendal jedoch für die neugeschaffene Oberliga, die höchste ostdeutsche Spielklasse, qualifiziert.
Die erste Saison schloss die BSG Eintracht „Hans Wendler“ 1950 mit Platz 10 ab, und auch in den folgenden Spielzeiten waren die Stendaler im unteren Drittel der Oberliga zu finden. Nach Abschluss der Saison 1953/54 fand sich BSG Lok auf Rang 13 wieder, der den Abstieg in die zweitklassige DDR-Liga bedeutete. Nach dem sofortigen Wiederaufstieg erreichte Lok Stendal 1956 in der Oberliga den 4. Platz, das beste Ergebnis, das die Stendaler Fußballer in ihrer Zeit als Betriebssportgemeinschaft erzielten. Der damalige Trainer Gerhard Gläser konnte in den 26 Punktspielen der Saison 1956 folgende im Durchschnitt 25,6 Jahre alte Stammelf aufbieten:


Günter Reh (28 Jahre, 20 Spiele)
Heinz Werner (21 Jahre/15 Spiele)
Karl Köhler (28 Jahre/17 Spiele)
Günter Bartnicki (24 Jahre/22 Spiele)
Kurt Brüggemann (30 Jahre/26 Spiele)
Heinz Neubauer (23 Jahre/25 Spiele)
Horst Karlsch (27 Jahre/24 Spiele)
Ernst Lindner (22 Jahre/22 Spiele)
Karl-Heinz Lahutta (29 Jahre/26 Spiele)
Dieter Gradetzke (30 Jahre/25 Spiele)
Kurt Liebrecht (20 Jahre/25 Spiele)


Die erfolgreiche Saison wurde von durchschnittlich 8.200 Zuschauern in der Wilhelm-Helfers-Kampfbahn (bis 1951 und wieder seit 2005 Stadion Am Hölzchen) besucht. Sie erlebten 55 Tore ihrer Mannschaft, die damit treffsicherstes Team der abgelaufenen Saison wurde und mit Ernst Lindner auch den Oberliga-Torschützenkönig stellte. Lindner trat damit in die Fußstapfen seines Mannschaftskameraden Kurt Weißenfels, der bereits 1952 zusammen mit Rudolf Krause die Torjägerkrone errungen hatte.
Die 1957 folgende Spielzeit verlief nach diesem Höhenflug sehr enttäuschend, denn wieder reichte es nur zu Platz 13 mit dem Abstieg als Folge. Die folgenden Jahre erlebte Lok Stendal als Fahrstuhlmannschaft mit Auf- und Abstieg im jährlichen Wechsel. Erst mit dem Aufstieg 1964 konnte sich die Mannschaft konsolidieren und erreichte vier Jahre lang Plätze im Mittelfeld der Oberliga.
Auch der Publikumszuspruch war groß. In der Wilhelm-Helfers-Kampfbahn fanden zwar nicht viele Zuschauer Platz (ab 1968 - 15.000), aber das Stadion war oft ausverkauft. Zu einem Publikumsrenner wurden regelmäßig die Vergleiche mit dem Lokalrivalen 1. FC Magdeburg, gerade wenn Lok als Gast an die Elbe reiste. 1962 gehörte der Vergleich Magdeburg gegen Stendal zu den Spielen mit der größten Zuschaueranzahl der DDR-Oberliga in dieser Saison (35.000 Zuschauer).
1964 war der Stendaler Gerd Backhaus bester Torschütze im Oberhaus des DDR-Ligafußballs. Auch Güssau und Karow konnten neben Backhaus in den sechziger Jahren für die nötigen Tore sorgen, um Lok im Fußballoberhaus zu halten. Die letzte Oberliga-Saison erlebte Stendal in der Spielzeit 1967/68. Als Tabellenletzter musste wieder der Abstieg in die DDR-Liga hingenommen werden, danach wurde nie wieder die Erstklassigkeit erreicht.